Nostalgie ist etwas Eigenartiges. Sie schafft es, einem ein Gefühl der Vertrautheit und Wärme zu geben, während sie einem unerbittert die Vergänglichkeit vor Augen führt. Ja, natürlich geht es um die 1990er. Einen wunderbaren Grund, uns diesem Gefühl hinzugeben, bietet „NEUNZIGDREIUNDNEUNZIG“. Der 40-minütige Streifen geht der Frage nach, wie Skateboarding Orte erobert hat, an denen es damals eigentlich nichts verloren hatte. Konkret: Eisenerz und Trofaiach.

VHS-Vibe

Viele Archivaufnahmen verpassen dem Ganzen einen richtigen VHS-Vibe. Besonders schön zu sehen ist aber, dass die Skate-Pioniere der Region noch immer am Board stehen und nicht einmal daran denken, das zu ändern. In Gesprächen vor Ort erinnern sie sich an die Zeit, als selbst blaue Rampen noch Zukunftsmusik waren und man mit einem Kickflip schon zu den richtig Guten gehörte. An Ortsrivalitäten, aus denen Freundschaften fürs Leben wurden, an das Aufblühen einer Skatekultur, aber auch an ihr Absterben mancherorts.

Rückkehr zu den Classic-Spots in Trofaiach

Dem aus Trofaiach stammenden Filmer Lukas Riedner war es auch wichtig, eine Brücke ins Heute zu schlagen. Darum hat er gemeinsam mit jüngeren Skater*innen einige der Classic-Spots in der Gegend abgeklappert – ihr werdet einige bekannte Grazer Gesichter erkennen.

Als wir mit Lukas über den Film und seine Protagonisten gesprochen haben, wird er selbst nostalgisch: „Für uns waren das damals Legenden der Skateszene, wir haben zu ihnen aufgeschaut, sie haben aber auch gut auf uns geschaut.“ Der etwas kryptische Name des Films setzt sich übrigens aus den Postleitzahlen von Eisenerz (8790) und Trofaiach (8793) zusammen und weist auf die Zeit Anfang und Mitte der Neunziger hin, als das alles losgegangen ist, sagt Lukas.

Rostfest-Planung als Startschuss für das Projekt

Die Idee zu NEUNZIGDREIUNDNEUNZIG hat mit der Rückkehr des Rostfests in Eisenerz zu tun. Dessen Mitorganisator Gernot Passath hat im Frühjahr den Skulture Skateshop eingeladen, etwas mit Skaten zum Programm beizutragen. Zuerst dachte man an einen Contest, dann entstand die Idee für einen Skateclip aus der Region, erzählt Lukas: „Markus (Wohlkönig, von Skulture, Anm.) weiß, dass ich aus der Gegend bin und hat mich deswegen angesprochen. Beim Reden war uns dann aber bald klar, dass es etwas Dokumentarisches werden soll.“ Wobei Lukas betont, dass es ein bewusst positiver Blick auf das Ganze ist, darum spricht er lieber von einem „Porträt der Skateszene“, als von einer Dokumentation.

Neben Lukas und Markus haben im „Kernteam“ des Films noch mitgearbeitet David Siebenbrunner, Elias Siebenbrunner, Stefan Wagner, Florian Rumpl, Julian Glanzer und Laura Hartmann.

Kategorien: Allgemein